Café Hermännle im Gemeindehaus, in der Hermannstraße.

© Foto: Katja Eisenhardt

 
Jede Woche am Donnerstag von 14.30 bis 17.00 Uhr laden wir zu Kaffee und Kuchen ein.
 

Eine besondere persönliche Note - Bericht von Katja Eisenhardt

 
PLOCHINGEN: Das ehrenamtliche "Cafe Hermännle" ist seit 22 Jahren ein beliebter Ort für den geselligen Austausch bei Kaffee und Kuchen.
 

© Foto: Katja Eisenhardt

Von Katja Eisenhardt (August 2018)

Der Kaffeetisch im evangelischen Gemeindehaus in Plochingen ist schön gedeckt, in der Mitte steht ein frisch gebackener Apfelkuchen. Das ist dort das typische Bild an einem Donnerstagnachmittag. Seit 1996, also seit stolzen 22 Jahren, gibt es in der Hermannstraße 30 gegenüber der Plochinger Stadthalle das "Cafe Hermännle". Ins Leben gerufen wurde es von Mitgliedern der Frauengruppe "Frauen Miteinander" der evangelischen Kirchengemeinde. Gegründet wurde diese Gruppe 1976. Beim Cafe Hermännle lassen sich jeden Donnerstag von 14 bis 17 Uhr im Schnitt zehn bis zwölf Senioren im Alter zwischen 75 und 95 Jahren in geselliger Runde Kaffe und selbstgebackene Kuchen und Torten schmecken, darunter nicht nur Plochinger. Das Cafe hat sich schon lange über die Stadtgrenzen hinaus herumgesprochen. "Käsekuchen und Torte stehen dabei besonders hoch im Kurs, alles selbstgemacht", weiß Christel Raisch, die die Federführung des Cafe-Teams übernommen hat. Zwei Helferinnen sind pro Woche im Einsatz. Immer wieder kommen auch Gäste aus anderen Gruppierungen dazu, dann sitzen schnell mal 20 bis 30 Leute am Kaffeetisch: Einmal monatlich ist die Selbsthilfegruppe Dystonie und vierzehntägig eine Spielgruppe des Stadtseniorenrats dabei. Dann wird das Cafe-Team auf drei Personen aufgestockt. An diesem Donnerstagmittag zählt die Runde acht Frauen anstatt der Gäste, denn in den Sommerferien pausiert das "Hermännle". Allesamt gehören sie zum gut zwölfköpfigen ehrenamtlichen Cafe-Team.

"Das Cafe ist 1996 in der Villa Dettinger gestartet, als das evangelische Gemeindehaus umgebaut wurde. Damals fehlten finanzielle Mittel, um notwendige Dinge wie Küchengeräte oder neues Geschirr vollends anzuschaffen", erzählt Christel Raisch. Die Erlöse aus den Cafe-Nachmittagen konnten hierbei Abhilfe schaffen. Bis heute werden von den Einnahmen Projekte in der Kirchengemeinde, aber vor allem jährlich immer wieder neu ausgewählte soziale Projekte finanziell unterstützt. "Pro Woche kommen etwa 50 Euro zusammen. Auf unserem Sparbuch hat sich einiges angesammelt. Diesmal haben wir drei Projekte ausgesucht: 1500 Euro gehen jeweils an das Kinderhospiz Stuttgart und die Stiftung Jugendhilfe aktiv Esslingen für ihr Projekt 'Seiltänzer', das sich an Kinder richtet, deren Eltern seelische Probleme haben. Weitere 1200 Euro gehen diesmal an die offene Jugendarbeit in Plochingen. Mit einer Gruppe Jugendlicher soll der Outdoorsportbereich des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses künstlerisch gestaltet werden", zählt Christel Raisch auf. Auch soziale Einrichtungen wie die Brücke, Heimstatt oder christliche Fachkräfte international wurden unter anderem schon gefördert.

"Ursprünglich sollte das Cafe nur so lange Bestand haben, bis die Ausstattung des Gemeindehauses komplett ist. Wir haben allerdings sehr schnell gemerkt, dass wir das nicht einfach wieder sein lassen können. Dafür kamen die Leute zu gern und das ist bis heute so geblieben. Darunter sind sehr viele Stammgäste, für die der Donnerstagnachmittag ein fester Termin im Kalender ist", ergänzt Raisch. "Das bringt man einfach nicht fertig aufzuhören, zumal auch so viel von den Besuchern zurückkommt", betont Brigitte Mauderer, die selbst von der ersten Stunde an zu den Helfern gehört. "Man lernt von ihnen beispielsweise, wie fit und zufrieden man im teils hohen Alter noch sein kann. Sie freuen sich einfach auf das wöchentliche Treffen und kommen wirklich egal bei welchen Wetter zu uns", so Mauderer. Zudem bekomme man über die Jahre natürlich auch einen persönlichen Bezug zu den Gästen, kenne deren Geschichte, ergänzt Margit Fritz. Auch das Team unter sich sei in den vergangenen 22 Jahren miteinander gewachsen, ist regelmäßig gemeinsam unterwegs. Recht neu in der Runde ist Traude Hellriegel. Vor einem Jahr kam sie über Christel Raisch dazu. Bis vor drei Jahren hat sie mit ihrem Mann, den Raisch aus Schulzeiten kennt, 45 Jahre lang in Venezuela gelebt. Bis die politische Instabilität die Schwaben dazu bewegte, zurückzukehren. Über weitere Mitglieder würde sich die Cafe Hermännle-Truppe sehr freuen, damit auch weiterhin jeder Donnerstag bei Kaffe und Kuchen gesichert ist.