Kammermusik - Chormusik - Kantatengottesdienste

Die Bezirkskantorenstelle ist zur Zeit vakant, trotzdem wird es einige Termine zur
Stunde der Kirchenmusik
geben.
 

Die geplanten Termine in 2018

Sonntag
22. Juli
19 Uhr Stadtkirche HKM Tübingen mit Plochinger Kantorei
Sonntag
14.Oktober
19 Uhr Stadtkirche Lehrerkonzert Musikschule
Sonntag
21.Oktober
19 Uhr Stadtkirche Harmonic Brass
Sonntag
28.Oktober
19 Uhr Stadtkirche Harmonikafreunde

 

Das Pfarrbüro oder unser geschäftsführende Pfarrer, Pfarrer Hengel steht Ihnen bei Bedarf mit den aktuellen Informationen zur Verfügung.

Die nächsten Konzerte

finden Sie unter der Rubrik Veranstaltungen.

Bildergalerie und mehr ...

Gesprächskonzert am 19. Mai 2018

© Lennart Faustmann

Ohren und Herz für Mozart geöffnet
Seit Dirigenten wie Helmuth Rilling, Leonard Bernstein und Gerd Albrecht weiß man zu schätzen, dass Gesprächskonzerte nicht nur das Verständnis für Kunst wecken, sondern auch den Boden für ein zu Herzen gehendes Musikerlebnis bereiten können. So geschah es auch im Konzert in der Plochinger Stadtkirche, das gleichzeitig Prüfung für Studenten der Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen war.
Die beiden Dozenten, Professor Manfred Schreier und Hannes Reich, waren wie geschaffen dafür, ihre Zuhörer für die ausgewählten berühmten Werke Mozarts zu begeistern: die Ouvertüre zu Don Giovanni und die Jupiter-Sinfonie. Mit der Tübinger Camerata Viva (Konzertmeister: Georg Eckle) war ein vorzügliches, erfahrenes Orchester gewonnen worden, das zupackend die Tempi aufnahm, markant große Linien ausspielte und auf deutliche Artikulation und klare dynamische Wechsel Wert legte. So war für die Studenten, die am Pult standen (in der Einführungsphase: Lennart Faustmann, Susanne Wolpold, Florian Lorenz und Ferdinand Ehni), der Boden optimal bereitet. Mit unnachahmlicher Lebendigkeit und spürbarer Begeisterung zogen die beiden Moderatoren ihre Zuhörer in ihren Bann, erzählend, spielend, tanzend (leider nur in der Vorstellung!) und singend - auch zusammen mit Publikum und Orchester. Neugierig und voller Vorfreude war man danach bereit, zu erleben und zu genießen, welche genialen kompositorischen Einfälle zu erwarten waren und welche "Geschichten" Mozart in seiner Musik erzählt.

Im zweiten Konzertteil hörte man dann die Werke ohne Unterbrechung; zwischen den Sätzen wechselten die dirigierenden Examenskandidaten, die ihren Teil jeweils auch mit dem Orchester einstudiert hatten. Mit einem ziemlich forschen Tempo stieg Saskia Mayerhöfer in den ersten Satz der Jupitersinfonie ein, gab aber dann erfreulicherweise nach und machte das Spiel des Orchesters dadurch deutlich agiler. Der gesangliche zweite Satz strömte trotz des durchgehenden Achtelschlags (Lisa Bork) in großer Ruhe und Gelassenheit; sicher wäre ihr das Orchesters auch gefolgt, wenn sie die Übergänge stärker moduliert hätte. Ganztaktik lenkte Mathis Hilsenbeck durch das Menuett, das trotz seiner verhaltenen Gestik erstaunlichen Drive aufnahm. Und Ferdinand Ehni schloss mit großem Schwung die Sinfonie, indem er, wo es ging, die vorwärtsdrängenden Auftaktelemente kraftvoll heraushob. Bei der abschließenden, hochdramatischen Ouvertüre zur Oper Don Giovanni kommunizierte Michael Dan, auswendig dirigierend, intensiv mit allen Orchestergruppen: Da sprang der Funke auf Musiker und Publikum über! Das Urteil der Zuhörer: So schön kann Examen sein!
Ulrich Kernen

Matthäus-Passion März 2018 in der Stadtkirche

Am Pult stand Prof. Manfred Schreier, er schrieb an den Chor nach dem Konzert: Das waren erfüllte Tage, die wir mit der Musik und den Inspirationen der Matthäuspassion verbringen durften, die vielen menschlichen Begegnungen nicht ausgenommen. Das bleibt unvergeßlich und prägt unsere aktuelle, wie unsere zukünftige Lebens-Zeit, es ist das Besondere an den kulturellen Bedingungen, an denen wir teil haben dürfen. In diesem Sinne haben Sie alle einen großen Dankesanteil verdient, ob durch Singen, Podeste schleppen, Plakate und Programmheft gestalten, Brötchen bereiten oder was immer noch zum logistischen Gelingen der beiden Aufführungen beigetragen hat, nicht zuletzt auch die Familien, die Ihre Abwesenheit wegen der vielen Proben erdulden mußten.

Resonanz auf das Konzert zum 3. Advent 2017

Adventliche Vorfreude (von Ulrich Kernen)

Dass man im Advent sich nicht nur auf freie Tage, Familientreffen, und Bescherung freuen kann, bewies aufs schönste das Konzert der Plochinger Kantorei  in der Stadtkirche unter der Leitung von Bezirkskantor  Michael Stadtherr.  Er hatte drei Werke ausgewählt, die in unnachahmlicher Weise von dem Entzücken erzählen, das die Geburt Jesu auslösen kann. Und wer unter den Zuhörern zuhörte und anteilnahm, ließ sich von der unbändigen Freude, die in dieser Musik zum Ausdruck kam, anstecken. Da waren zunächst zwei Kantaten des jungen Sebastian Bach: unbändiges Vorandrängen als Ausdruck der Vorfreude auf die Begegnung mit Gott („Wachet auf, ruft uns die Stimme“ BWV 140) und auf den Einzug Jesu in die Herzen der Gläubigen („Nun komm, der Heiden Heiland“ BWV 61). Und als Fortführung und Steigerung erlebte man das „Magnificat“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Darin wurden zentrale, persönlich berührende Worte des Textes hervorgehoben und bedeutungsvoll verstärkt. Dieses Werk ist zwar den barocken Vorbildern verbunden,  im Kern will es aber vor allem das Herz des Hörers anrühren.  Auf einen Blick:  Die Ankunft Christi (der „echte“ Advent!) wurde in dem Konzert als ergreifende und begeisternde Bewegung dargestellt und erlebt. In der ersten Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ begann diese Bewegung mit kraftvollem Voranschreiten des bestens disponierten Collegium Musicum (Konzertmeister: Mathias Neundorf), das der darüberliegenden Choralmelodie des Chors zusätzliche Spannung verlieh.  In diesem Spannungsfeld konnten sich drei Gesangssolisten vorstellen. Marcus Elsäßer (Tenor) begann als klar artikulierender  Rezitator mit lockerer Stimmführung. Pinelopi Argyropoulou (Sopran) begeisterte mit ihrer klaren, geschmeidigen und beseelten Stimme: So konnte sie das drängende Verlangen, Gott zu begegnen, nahezu ideal umsetzen. Florian Schmitt-Bohn (Bass) hielt mit kräftiger, bestimmter Stimme dagegen. Souverän meisterte der Konzertmeister Mathias Neundorf sein begleitendes Violinsolo. Der Chor - Tenor  konnte sich dieser Vorfreude anschließen: „Zion hört die Wächter singen“. Zum Höhepunkt geführt wurde das Ganze dann im Schlusschor,  der in den ekstatischen Jubelruf mündete: „Des sind wir froh, io io!“ Mit Bravorufen wurde am Schluss des Konzerts das Solo des herausragenden Oboisten bedacht, der mit ausgefeilter und zugleich überaus natürlicher Gestaltung seines Parts den Gesangssolisten zuspielte.

In der Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ BWV 61 führte Michael Stadtherr diesen Schwung weiter: Der kraftvolle Rhythmus einer französischen Ouvertüre lud auch hier die darüber schwebende Choralmelodie mit großer Energie auf. Dann durfte man bei ganz „neuen Tönen“ aufhorchen: Unerwartet ahmte der Bassist und das Orchester das Klopfen an der (Herzens)tür nach: Gott begegnet der Seele und lädt sie ein. Passend dazu untermalte danach das Solocello in fließenden  Figuren den Einzug Jesu: „Öffne dich, mein ganzes Herze“.

Mit mitreißend hellem Klang von Chor, Blechbläsern und Holzbläsern begann das abschließende Magnificat von Mendelssohn-Bartholdy: „Meine Seele preist die Größe des Herrn – ein Wunder wird in Klänge verwandelt! Der Komponist setzte  dann das drängende „Et misericordi eius“ („Er erbarmt sich“) dagegen und fügte dann große Gesten von Bass und Sopran an. Im Solistentrio konnte dann die Altistin Maria Madesi auf kleinem Raum das Solide Fundament ihrer Stimme einbringen.  Das komplette Solistenquartett und der Chor krönten die Aufführung dieses Werkes durch großen und Zuversicht ausstrahlenden Schlussjubel. Nicht unerwähnt soll die außerordentliche Gesamtleistung des Chors werden, der in nur sechs Proben das komplette Programm einstudiert hat! Ein gelungenes Abschiedskonzert für Bezirkskantor Michael Stadtherr, dem Dank und Anerkennung für seine erfolgreiche Arbeit in Plochingen gebührt.